|
Die Geschichte beginnt im Jahre 1947.
Vermutlich wurde in Schwarzenbek auch schon vorher Tischtennis gespielt, vielleicht sogar im Verein, aber darüber ist nichts überliefert. Beginnen wir also 1947:
Der 2. Weltkrieg war vorbei, auch der schlimme Winter 46/47, als Staatsanwälte auf frischer Tat beim Kohle klauen ertappt wurden, und als sogar die Schule ausfiel, weil es keine Kohle gab. Die Siegermächte hatten angefangen, sich zu zerstreiten, und es begann die Zeit der Truman-Doktrin und des Marshall-Plans. Zu kaufen gab es nichts außer auf Marken oder Bezugsschein, oder auf dem Schwarzen Markt. Die Wohnverhältnisse waren beengt im Hause meines Großvaters in Grove lebten statt zwei jetzt 9 Personen.
Aber es gab schon wieder den TSV Schwarzenbek; nach der Gleichschaltung bei den Nazis und der generellen Auflösung aller Vereine durch die Besatzungsmacht war er schon Ende 1945 wieder auferstanden.
1947 also wurde die Tischtennis-Abteilung des TSV gegründet. Gründungsmitglieder waren Elisabeth Jarosch und Gerd Jarosch; wer noch mit dabei war, weiß man nicht; Gerd Jarosch wurde erster Spartenleiter. Gerd Jarosch gründete 1947 auch den Kreissportverband, wurde sein erster Vorsitzender und auch der erste Leiter der Fachsparte Tischtennis.
Worin die Aktivitäten der Abteilung im ersten Jahr bestanden und wo sie stattfanden, weiß man nicht. Überliefert ist etwas von Werbeveranstaltungen an verschiedenen Orten im Kreis, genaueres ist nicht überliefert.
1948 beschert uns dann die Währungsreform. Plötzlich kann man wieder fast alles kaufen vorausgesetzt, man hat das nötige Kleingeld.
Spartenleiter wird Helmut Postler, und zwar bis 1954. Elisabeth Jarosch erringt bei den ersten Tischtennis - Kreismeisterschaften nach dem 2. Weltkrieg den ersten Platz im Damen-Einzel und Käthe Steffens tritt in den Verein ein. 1948 soll auch ein großes Turnier in Schröders Hotel stattgefunden haben.
1949 wird die Bundesrepublik gegründet, Adenauer wird Bundeskanzler und Elisabeth Jarosch wird Vizemeisterin bei den Kreismeisterschaften. Der Kreissportverband verlegt seinen Sitz von Schwarzenbek in die Kreisstadt Ratzeburg. Möglicherweise war dies auch der Zeitpunkt, an dem sich Verein und Abteilung nach Hamburg orientierten und dem HSB bzw. HTTV anschlossen.
1950 beginnt der Korea-Krieg. Elisabeth Jarosch wird Kreismeisterin und Helmut Postler Kreismeister im Doppel.
Spätestens in dieser Zeit wurden vermutlich auch die ersten Punktspiele ausgetragen. Schriftlich überliefert ist dazu nur, dass zunächst eine Damenmannschaft an Punktspielen teilnahm, bestehend aus den Spielerinnen Jarosch, Nöthe, Postler, Maerker und den Geschwistern Sauer. Etwas später soll dann eine Herrenmannschaft aufgestellt worden sein, und zwar mit Gerd Jarosch, Helmut Postler, Hubert Gaude, Ullrich Isenhagen, Dr. Leo Maerker und Männe" Wilhelmi. Das war übrigens in Schwarzenbek ganz lange so, dass die Damen relativ stärker waren als die Herren.
1954 wird die Antibabypille erfunden. Ullrich Isenhagen löst Helmut Postler als Spartenleiter ab; er blieb neun Jahre Spartenleiter, bis 1963.
1955 wird die Bundesrepublik wieder ein souveräner Staat. Die Damenmannschaft steigt in die Bezirksliga auf und wird dafür als beste Mannschaft des TSV mit dem Bürgermeisterpokal geehrt.
1956 wird die allgemeine Wehrpflicht eingeführt; das sollte auch für die Tischtennis-Abteilung nicht ohne Folgen bleiben.
Zunächst jedoch gab es Besuch aus Kolding / Dänemark, wofür ein Zuschuss von 50,-- DM beim Kreis beantragt wurde. Schon früher hatte es Spiele gegen und Besuche bei Mannschaften aus Dänemark und Schweden gegeben, doch ist darüber nichts näheres bekannt. Bekannt ist hingegen, dass in diesem Jahr (1956) sowohl Damen als auch Herren zeitgleich ein Punktspiel gegen Glinde bestritten; die Damen gewannen, die Herren verloren 9:6.
Die Damen spielten inzwischen in der Verbandsliga; es gibt noch einen Spielbericht von dem Punktspiel gegen den TTC Grün-Weiß Bramfeld, das unsere Damen mit 9 : 1 gewannen. Es spielten: Burmester, Jarosch, Steffens, Feifer, Jaacks und Borm. Der Erfolg war da. Leider sollte sich das ändern.
1957 kam der große Einbruch: Die Damen steigen ab, die Herrenmannschaft muss ganz zurückgezogen werden. Darüber gibt es zwar keinen Bericht, es ergibt sich aber aus Berichten des folgenden Jahres. Grund für den Einbruch war wohl der Aufbau der Bundeswehr; die früheren Berufssoldaten kehren in ihren Beruf zurück und verlassen Schwarzenbek, allen voran Gerd Jarosch und seine Frau, und vermutlich nicht nur sie allein.
1958 wird das Pumpspeicherwerk in Geesthacht eingeweiht. Die Tischtennis-Abteilung beginnt mit dem Wiederaufbau, die Herren müssen in der B-Klasse anfangen (Grötschel, Isenhagen, Rzepka, Schmiedel, Szudny, Hirsch). Es tauchen u. a. drei neue Namen auf, nicht zum letzten Mal: Schmiedel, Baer und Weber.
Schon zum 8. Mal treffen sich BSG Fette und der TSV zum Freundschaftsspiel; zum 4. Mal endet das Spiel 8:8. Im Dezember werden die ersten (?) Vereinsmeisterschaften durchgeführt. Meister werden bei den Herren Grötschel, Herren-Doppel Grötschel/Schmiedel, bei den Damen Burmester, Damen-Doppel Baer/Feifer, Mixed Burmester/Grötschel.
1959 wird die Compe-Turnhalle eingeweiht. Wenigstens die Damen können dort einmal in der Woche an zwei Tischen spielen (zusammen mit Badminton). Der TSV feiert sein 50jähriges Bestehen mit einer Jubiläums- Turn- und Sportwoche. Die Tischtennis-Abteilung gewinnt das aus diesem Anlass veranstaltete Freundschaftsspiel gegen den Walddörfer SV bei den Herren mit 12:4, bei den Damen mit 9:7.
1960 wird John F. Kennedy Präsident der Vereinigten Staaten und der HSV Deutscher Meister im Fußball. Ähnlich erfolgreich gestaltet sich das Jahr für uns:
Die Damen werden ungeschlagen Meister in der Bezirksliga und steigen wieder in die Verbandsliga auf. Die 1. Herren wird Meister ihrer A-Klasse und steigt in die Bezirksliga auf. Beide erhalten den Pokal der Stadt für die besten Mannschaften.
Vereinsmeister werden Marion Jaacks und Helmut Keese.
Im Juni fahren fünf 3er-Mannschaften erstmalig nach Delfzijl, im nächsten Jahr ist der Gegenbesuch. Damit beginnt für uns der Verbrüderungssport.
1961 am 13. 8. wird in Berlin die Mauer gebaut macht die Tischtennis -Abteilung vom 31.3. bis 3.4. eine Fahrt nach Dänemark mit Spielen gegen Virum Kopenhagen, BTK Nyköbing und Steensweed. Teilnehmer: Marion Jaacks, Käte Steffens, Inge Lehmkuhl, Ulrich Isenhagen, Helmut Feifer, Rudi Zardenings, Peter Schmiedel, Rüdiger Pawerhell und Manfred Fett.
Das erste Kapitel ist damit beendet. 1963 beginnt mit Peter Schmiedel das zweite Kapitel. Er wird nämlich Spartenleiter und fängt sofort an, die Abteilung umzukrempeln. Das sollte er auch, deshalb wurde er nämlich gewählt. Ziel: Die Tischtennis -Sparte sollte in Zukunft nicht nur weiter blühen und gedeihen, sie sollte auch wachsen.
Und das tat sie dann ja auch.
Lassen Sie uns aber, bevor wir uns diesem zweiten Kapitel zuwenden, kurz innehalten und noch einen letzten Blick auf das erste Kapitel zurück werfen, gewissermaßen auf das Altertum der Abteilung.
Der Peter, von dem ich das meiste Material dieser Chronik bekommen habe, hat unter dem Stichwort Ein Spieler erinnert sich" einige Begebenheiten notiert, aus denen man erkennen kann, wie die Zeiten waren.
Eine Spielerin erinnert sich:
Spiellokal war die Schützenhalle III, eine unbeheizbare Baracke. Bei Punktspielen mußte im Winter oft mit Handschuhen gespielt werden. Wenn jemand austreten wollte, mußte bei jedem Wetter der Weg von der Schützenhalle III in die Parkgaststätte angetreten werden. Die Männer der Schöpfung hatten es da leichter.
Ein Spieler erinnert sich:
Es gab in den fünfziger Jahren noch nicht viele Autos. Bäckermeister Günter Rzepka hatte einen Lieferwagen. Zu den Punktspielen wurde dieser umgebaut, die Mannschaft hinein und ab irgendwohin nach Hamburg. Um Mitternacht oder später zurück. Lieferwagen wieder zurückgebaut. Für Günther als Bäcker nicht ganz so einfach, denn für ihn stellte sich sicherlich oft die Frage: "Gehe ich noch ins Bett, oder bleibe ich gleich auf und fange an zu arbeiten?
|